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Land und Leute

Vom Périgord zum Departement Dordogne Das Périgord ist eine seit über 2000 Jahren beschriebene Landschaft. Ursprünglich war die Gegend bewohnt vom keltischen Stamm der «Petrocorer». Da die Kelten aber kaum schriftliche Zeugnisse hinterlassen haben, kennen wir sie nur aus den Zeugnissen der Römer, welche Gallien von 50 vor Christus an rund drei Jahrhunderte lang besetzt hielten: Julius Cäsar war einer der ersten Zeugen. Ein lebendiges und durchaus mögliches Bild des Lebens der Gallier vermitteln die Geschichten von Asterix und Obelix.

Julius Cäsar war ein milder Eroberer, er ging mit den Kelten durchaus fürsorglich um. Die Römer lebten in ihren Städten und Villen ihr römisches Leben, sorgten für Frieden und liessen ihre Untertanen den Boden bebauen. Das römische Périgord mit seiner Hauptstadt Vesunna war eine blühende Provinz.

Während der Zeit der Völkerwanderung zerstörten die Vandalen Vesunna, beim Wiederaufbau dienten die Ruinen als Steinbruch für den Bau der Stadt Périgueux. Die Überreste ihres Hauptorts können Sie im Süden von Périgueux bewundern – es ist nicht viel... Das Périgord wurde im Mittelalter eine Grafschaft und später in der französischen Revolution zum Departement Dordogne mit der Nummer 24. Frankreich wurde damals administrativ neu geordnet, es entstanden über 100 in alfabetischer Reihenfolge durchnummerierte Departemente.

Das Département Dordogne und die alte Grafschaft Périgord decken sich gebietsmässig weitgehend. Ich werde hier nur den Ausdruck Périgord brauchen, einfach weil er mir besser gefällt als Dordogne. Politisch und administrativ ist das natürlich nicht korrekt, aber das ist ja eine andere Ebene.

Im neuen Jahrtausend macht Frankreich allerlei Anstrengungen zum Vereinfachen der Verwaltung. Der straff zentral verwaltete Staat will den Regionen Aufgaben übergeben und die Administration straffen: Departemente werden zu Regionen zusammengefasst, Gemeinden zu Gruppen. Das Dpt Dordogne gehörte für einige Jahre zur Region Aquitaine. Dann kamen drei weitere Departemente hinzu und jetzt heisst die Region Nouvelle Aquitaine. Einzelne Departement beklagen sich, dass sie zwar verwaltet werden, aber keine wirkliche Autonomie erhalten. Im klassisch zentralistisch verwalteten Land hat die föderale Entwicklung offenbar keine grosse Chance, die Entwicklung ist aber keineswegs abgeschlossen. Die erhoffte Regionalisierung in Richtung starker und autonomer Regionen und Departemente lässt weiter auf sich warten.

Das bäuerliche Périgord Über Jahrhunderte waren die Menschen hier Bauern, mehr oder weniger gut ernährt und wie überall immer wieder Opfer kriegerischer Auseinanderset­zungen. Etwas besser mögen die Weinbauern an der Dordogne gelebt haben, sie exportierten ihre Produkte nach England, Holland und Deutschland – zumindest solange der König es ihnen erlaubte. Der bei Bergerac produzierte süsse «Monbazillac» soll der Lieblingswein Friedrich des Grossen gewesen sein.

Die Flüsse Dordogne und Isle waren über Jahrhunderte die einzigen Verkehrswege, auf ihnen wurden Holz, Leder, Tabak und Wein nach Bordeaux und Salz zurück ins Périgord gebracht. Die «Gabarres» brachten die Güter nach Libourne, wo sie auf seetaugliche Schiffe umgeladen wurden. Die Gabarres wurden entweder am Zielort als Brennholz verkauft oder unter Segeln und im «Treidelverkehr» nach Bergerac und Limeuil zurückgebracht. Das Leben der Schiffer war hart und gefährlich, Christian Signol hat dazu zwei Romane geschrieben.

Das 19. Jahrhundert brachte den Gabardiers endlich den «Canal Latéral», er entschärfte die gefährlichen Stromschnellen bei Lalinde. Etwa zur gleichen Zeit entstand die «Route Nationale» N21 von Paris nach Agen aber die Eisenbahn liess weiter auf sich warten. Die grossen Eisenbahngesellschaften waren uninteressiert, sie wollten nicht in Nebenlinien investieren, die doch nie satte Dividenden abwerfen würden. Entsprechend schleppend ging der Bau der Linien Bordeaux-Périgueux und Bordeaux – Sarlat voran, immer wieder ging das Geld aus oder machten die Unternehmen Bankrott. Die Industrialisierung fand inzwischen anderswo statt, die beiden Weltkriege lähmten das ganze Land zusätzlich.

Und dann verloren die Bauern den Preiskampf gegen den Rest der Welt schnell. Die kleinräumige Landwirtschaft produzierte zu teuer, die Bauern mussten sich spezialisieren und in Intensivkulturen hochwertige Produkte erzeugen. So kamen die Erdbeeren ins Périgord und danach der Obst-, Spargel- und Gemüseanbau. Aber die Jungen wollten nicht mehr Bauern sein: Zuviel zum Sterben und zuwenig zum Leben, hiess es. Der Besitzer unseres Hauses hatte vier Söhne, in den sechziger Jahren wollte keiner den Hof weiterführen. Sie lernten handwerkliche Berufe und zogen weg. Als wir Mitte der achtziger Jahre hier ankamen, war das Haus schon fünfzehn Jahre in deutschen Händen.

Die Entwicklung geht weiter und hat langfristig schwerwiegende Folgen: Nicht mehr gepflegte Flächen verganden, innert zehn bis fünfzehn Jahren hat sie der Wald wieder in Besitz genommen. Der Bauer nebenan ist «en Retraite», pflegt weiterhin sein Land und klagt gern darüber, wie es hier wohl aussehen wird zwanzig Jahre nach seinem Tod...

Das heutige Périgord Die Geografie unterliegt ja im Laufe eines Menschenalters nur geringfügigen Veränderungen – glücklicherweise. Das Périgord ist also weiterhin abgelegen und industriell wenig erschlossen. Und es gehört, verglichen etwa mit den grossen Städten und ihrem Umland, auch weiterhin zu den ärmeren Gegenden.

Aber es scheint so etwas wie Aufbruchstimmung zu herrschen. Sehen Sie selbst: • Der Anschluss der A89 an die A6 in Lyon wurde im März 2018 eröffnet. Die A89 ist damit nach dreissig Jahren Bauzeit fertig geworden: Bordeaux ist mit Lyon und Genf verbunden und die Autobahn geht vor den Toren von Périgueux vorbei, schliesst also das Périgord an die weite Welt an. • 2011 wurde die in ihren ältesten Teilen 150-jährige Bahnlinie Bordaux-Sarlat totalsaniert und kann nun mit bis zu 120 Km/h befahren werden. Hintergrund ist natürlich die TGV-Verbindung Bordeaux-Paris, für die sie Zubringer ist. Paris ist jetzt von Bergerac aus in vier Stunden zu erreichen. • Der Flughafen Bergerac Roumanière wurde umgestaltet und modernisiert und kann seit 2009 als internationaler Flughafen gelten. Regelmässige Verbindungen gehen nach London, Amsterdam, Nizza und natürlich nach Paris. Die vielen Engländer, die rund um Bergerac eine zweite Heimat gefunden haben, sind wesentlich an dieser Entwicklung beteiligt. • Um die Jahrtausendwende kam das Internet zu uns, zunächst über Modem, wenig später über DSL. Der «Conseil Général» sieht das Internet als wichtiges Mittel, das Departement aus seiner Isolierung zu führen und wirtschaftlich zu fördern und investiert in den Ausbau. Die Glasfaser wird ebenso konsequent gefördert, das Departement hat einen umfassenden Plan genehmigt und die nötigen Mittel bereitgestellt. • Die Initiative SDE24 will das Departement dem Elektromobil erschliessen und dazu in den Gemeinden Ladesäulen aufstellen. Tatsächlich steht seit einigen Wochen vor unserer «Mairie» ein solcher Pfosten, ein E-Mobil hat meines Wissens aber niemand in der Gemeinde...

Ein anderes Kapitel ist der Tourismus, der vielen Familien einen willkommenen Zusatzverdienst bringt und vom Departement zielbewusst gefördert wird. Mehr dazu im nächsten Kapitel.

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