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Die Entdeckung des Tourismus: Lascaux

Wie Lascaux zum Wallfahrtsort wurde

Die Höhle von Lascaux als Wallfahrtsort zu bezeichnen mag Ihnen etwas schnoddrig erscheinen, sie ist aber mit über einer halben Million Besuchern pro Jahr so gut frequentiert wie etwa der Wallfahrtsort Lourdes am Fuss der Pyrenäen. Beide Orte haben im Laufe der Zeit gewaltige Investitionen gewagt und sind zu eigentlichen Unternehmen geworden. Und beide sind in ihrer Art einmalig!

Die sehr farbigen Felszeichnungen von Lascaux gehören ins Magdalénien und sind um 18‘000 Jahre alt. Zwei Buben fanden 1940 beim Spielen den Eingang zu dieser Höhle, der Pfarrer und Prähistoriker Henri Breuil erkannte sofort die Bedeutung der Zeichnungen. 1948 wurden sie dem Publikum zugänglich gemacht und lockten bald viele Neugierige an: Bis zu 1200 Menschen besuchten täglich die Höhle, sie blieb aber offenbar lange Zeit ein Insidertip unter Historikern.

In den fünfziger Jahren wurde es nach und nach einfacher nach Lascaux zu reisen. 1955 meldet 30'000 Besucher pro Jahr, 1960 bereits über 100'000. In den 15 Jahren zwischen 1948 und 1963 gingen rund eine Million Neugierige durch die Höhle. Es darf nicht wundern, dass dieser Ansturm in der Höhle und an den Zeichnungen seine Spuren hinterliess.

Aber er machte das Périgord bekannt, es wurde ein Reiseziel. Campingplätze, Unterkünfte, Hotels, Restaurants entstanden, die Sehenswürdigkeiten wurden restauriert und beworben, die Touristen brachten Geld ins Land. Und Lascaux war das Zugpferd dieser Entwicklung.

Eine tragische Entwicklung

Bodenschätze wie Kohle und Erdöl kann man nicht nutzen ohne sie zu zerstören. Wenn wir die herrlichen Fresken in der «sixtinischen Kapelle der frühgeschichtlichen Kunst» (Henri Breuil) als Bodenschatz verstehen, gingen sie den gleichen Weg. Was die Höhle dank ihres einzigartigen Klimas 18'000 Jahre lang unverändert aufbewahrt hatte, beuteten wir aufgeklärten Nachkommen 15 Jahre lang aus und zerstörten es damit. Eben genau so, wie wir es mit allen Schätzen unseres Planeten tun...

Für die Besichtigung wurde die Höhle geöffnet, der Boden abgesenkt und verbindende Galerien angelegt, wodurch sich die Luftzirkulation veränderte. Die Besucher brachten mit ihrer Atmung Kohlendioxyd und Feuchtigkeit ins Innere. Elektrische Beleuchtung und menschliche Wärme liessen die Temperatur ansteigen und veränderten ihre Verteilung. An den Wänden bildeten sich Algen und Schimmel. Und die Besucherzahlen stiegen von Jahr zu Jahr.

Alle möglichen Rettungsversuche wurden unternommen, die über alles gesehen die Störung des Mikroklimas in der Höhle nicht rückgängig machen konnten. Auch nach der Schliessung 1983 geht der Kampf gegen Pilze und Algen weiter, die Mikroorganismen lassen sich nicht bändigen, sondern werden resistent gegen die Mittel. Das Weltkulturerbe ist zum chronisch Kranken geworden und wird nun mit sehr grossem Aufwand am Leben erhalten. Kollateralschaden des Tourismus...

Die folgende Tabelle fasst die Stationen dieses Leidenswegs zusammen.

1940 Entdeckung, Klassierung als Monument Historique
1947 Bauarbeiten: Eingangsbereich und Begehbarmachung

die Luftzirkulation wird total verändert

1948 Öffnung für das Publikum
1955 erste Anzeichen von Schäden

zwei Schleusen am Eingang - 30'000 Besucher/Jahr

1957 Einbau einer Ventilation, 440 m3 Abraum wird herausgeschafft
1960 Algen und Schimmel beginnen sich auszubreiten

100'000 Besucher/Jahr

1962 der Besitzer Graf Rochefoucault schenkt die Höhle dem Staat

Bedingung: Faksimile-Kopie (Lascaux II)

1963 Schliessung für das Publikum, noch 900 Besucher/Jahr
1965 Klimastudien, eine Klimaanlage soll das ursprüngliche Höhlenklima wiederherstellen
1970 Beginn der Arbeiten am Faksimile, finanzielle Probleme
1979 Lascaux wird UNESCO-Weltkulturerbe
1983 Eröffnung der Faksimile (Lascaux II)
2000 Pilz- und Algenbefall greifen weiter um sich

Bekämpfung mit Bioziden, Kalk und Handarbeit - Resistenzen! Ersatz der Klimaanlage --> Verschlechterung

2001 internationales Wissenschafterkomitee sucht Lösungen
2002 Lascaux II hat 280'000 Besucher/Jahr
2003 Lascaux III: Dordogne gibt Auftrag für eine Wanderausstellung
2005 Inventar aller Zeichnungen in 3D-Fotografie
2006 Pilz- und Algenbefall sind einigermassen unter Kontrolle
2008 die UNESC droht: Lascaux wird «Kulturerbe in Gefahr»

Lascaux II hat 250'000 Besucher/Jahr es ist verwahrlost und muss dringend unterhalten werden

2009 erneut wissenschaftliche Untersuchung der Höhle angestossen
2009 - 2018 Lascaux III reist durch die Welt: Europa, Amerika, Afrika...
2012 Lascaux IV: der Auftrag wird vergeben
2016 Lascaux IV: das «Zentrum für frühgeschichtliche Kunst» eröffnet

Gesamtkosten 57 Mio €

2018 Bauverbot für das Gelände über der Höhle

Quelle: https://fr.wikipedia.org/wiki/Grotte_de_Lascaux

Lascaux besuchen

https://www.lascaux.fr/de/contenu/47-lascaux-zeitreise-zur-urgeschichte-der-menschheit
http://www.lascaux-dordogne.com/de/die-hoehle-von-lascaux
Die Höhlenmalereien von Lascaux sind zweifellos das Flaggschiff der périgourdinischen Attraktionen. Und «le Versailles de la Préhistoire» ist ganz klar Pflicht – eine überwältigende und lohnende, wie Sie sehen werden! Vergessen Sie nicht, auch das vom Norveger Kjetil Thorsen entworfene Gebäude zu würdigen. Es ist grossartig und elegant und fügt sich ausgezeichnet in die Landschaft ein. Und die Besucherzahlen sprengen alle Erwartungen!

Lascaux in Faksimile ist – neben Postkarten und Bildbänden - die einzige Möglichkeit, die herrlichen Zeichnungen zu sehen. Die Höhlenatmosphäre ist durchaus echt (13° im Winter, 16° im Sommer) und dass man sich nicht in einer Höhle befindet, vergisst man schnell. Leider ist die Beleuchtung ausgesprochen schummrig, vermutlich um die Zeichnungen im Licht des Magdaléniens zu zeigen - für mich waren sie nur schwer erkennbar. Im Museum ist die Beleuchtung besser. Die Webseite ist grausam - wappnen Sie sich mit Geduld und Langmut!

Zur Besichtigung der Fresken nehmen Sie an einer Führung teil, im Museum gilt freier Rundgang. Voranmeldung ist vor allem in der Hochsaison unbedingt nötig, kaufen Sie die Billetts online. Täglich gibt es Führungen in deutscher und englischer Sprache. Der Besuch ist anstrengend, geben Sie sich also genug Zeit, auch zum Ausruhen!

Zu Lascaux gehören drei weitere Plätze:

Lascaux II dies ist die erste, 1983 eröffnete Faksimile,

sie kann weiterhin besucht werden

Le Thot Tierpark mit prähistorischen Arten

Teile der Wanderausstellung Lascaux III

Laugerie-Basse prähistorische Fundstätten, Archäologie

Eintrittspreise für Faksimile und Museum 2018:

	Erwachsene € 17, Kinder 5-11 Jahre € 11
	ermässigte Kombibillette für mehrere Plätze erhältlich
        Information und Billettbestellung   (mehrsprachig)
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Page last modified on 2018-11-07, um 05:15