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20150913

Selbstversorgung

Wir trugen klar den Bio-Virus in uns, als wir hierherkamen, und auf unserer Fahne stand natürlich Selbstversorgung. Einerseits aus Überzeugung, aber auch weil wir sparen mussten. Und selbstverständlich hatten wir uns eingelesen in alles, was damals so zu haben war: John Seymour, Tomi Ungerer und andere. Die Bücher hätten Robinson Crusoe sicher gute Dienste geleistet: Sie beschrieben eine fast mittelalterliche Landwirtschaft mit Sense, Heugabel und Dreschflegel. Hätten wir uns bei unseren Besuchen in Puydorat nur einmal eine Stunde in die Wiese gesetzt, uns umgeschaut und ein bisschen nachgedacht, wäre klar geworden, dass diese Zeiten endgültig vorbei sind. Mit vier Händen und zwei Heugabeln bearbeitet man keine zehn Hektaren.

Was sicher nur gegen die Methoden von Seymour & Co spricht, nicht aber gegen die Selbstversorgung an sich. In einer Welt voller Geschmacksverstärker, Verdickungsmittel, Stabilisatoren und Konservierungmittel ist eine Tomate aus dem eigenen Garten ein Geschenk des Himmels! Selbermachen ist eine Lebenshaltung: Ich will wissen, was ich esse und trinke! Um es aber gleich klar zu machen: Geld sparen kann man nicht dabei, denn die Lebensmittel sind billig geworden. Dafür bürdet man sich viel Arbeit auf, inklusive Rückenschmerzen...

Selbstversorgung kompromisslos

Durch die Selbstversorgerszene zieht sich eine Idee wie ein roter Faden: So viel wie möglich selber produzieren, wenn möglich alles. Wir haben uns von den vielen Anregungen Seymours beeinflussen lassen, der Garten wurde übervoll und am Ende kämpften wir gegen unser Gemüse: Tiefkühler und Einmachgläser wurden voll und voller, wir konnten gar nicht alles essen. Auch unsere Feriengäste liessen uns im Stich, widerstanden unserer Überzeugungskraft und wollten einfach nicht jeden Tag zwei Kilo sonnengereifte Tomaten essen...

Das Leben schwer machen kann man sich auch mit dem zweiten Dogma der Selbstversorgerei: Kompost. Er lockert den Boden und nährt Pflanzen und Regenwürmer und wird damit zu einer Art Wundermittel für und gegen alles. Die Wirklichkeit hielt diesen Versprechungen bei weitem nicht stand: In unserem Garten lag schwere Lehmerde, die bei Regenwetter bodenlos und bei Trockenheit betonhart wurde. Unser Kompost verschwand und ward nimmer gesehen, der Boden blieb, wie er war. Winden, Disteln und Schnürgras lieben dieses Klima, für unsere Kartoffeln und Karotten war es schlicht ungeeignet. Erstere wurden eckig und blieben klein, die Rüebli hatten fünf Beine.

Wir lernten dazu und passten uns an, richteten eine brauchbare Bewässerung ein, liessen weg, was für den schweren Boden nicht geeignet war und pflanzten von Jahr zu Jahr weniger. So überstanden wir die extrem heissen Sommer der neunziger Jahre und der Garten begann, Freude zu machen.

Selbstversorgung ohne Dogmatik

Das Thema ist heikel, denn die Bio-Welt ist inzwischen reguliert. So sehr, dass sich einzelne Produzenten schikaniert fühlen und aussteigen - ich kann sie verstehen! Warum aber sollten wir einem neugeborenen Lamm gegen den Durchfall Essigsöckli machen und es damit zum Tod verurteilen, wenn eine Gabe von Antibiotika die Sache in 24 Stunden zum Guten regelt? Ja zu Bio aber ohne Sturheit, sagten wir uns, und suchten unseren eigenen Weg, ohne Kunstdünger und ohne Kraftfutter für die Lämmer, ohne Label Rouge und fast ohne Unkrautvertilger.

Anfangs glaubten wir, unsere Gäste würden sich auf unser gesundes Gemüse stürzen. Taten sie aber nicht, weil die meisten nicht gewohnt waren, aus dem Vorhandenen etwas zu machen. Heute wird nach Rezept gekocht und dazu kauft man ein, was dort steht - man bekommt ja immer alles, wir leben überjahreszeitlich!. Auch unser Agneau d'Herbe war für viele ungewohnt, sei es, dass es zu kräftig war, sei es, dass sie Lamm nicht mochten - es soll ja schlecht riechen...

Selbstversorgung als Erfahrung

Warum dann die ganze Mühe?

Selbstversorgung als Leidenschaft

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